Entrevistas

Laura Kirchgässner: Es ist nicht wichtig niemals zu fallen, sondern, jedes Mal wieder aufzustehen

Juan Carlos Tellechea
jueves, 14 de septiembre de 2023
Laura Kirchgässner © 2023 by Laura Kirchgässner Laura Kirchgässner © 2023 by Laura Kirchgässner
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Wenn das Glück an die Tür klopft, muss man es öffnen, und genau das tut die preisgekrönte Koloratursopranistin Laura Kirchgässner, eines der vielversprechendsten Nachwuchstalente der deutschen Lyrikgeneration. Die Sängerin zieht das Publikum mit ihrer Stimme, ihrer Natürlichkeit, Anmut und Ausstrahlung förmlich in den Bann.

Ihr Stimmumfang geht weit über die drei Oktaven hinaus. In Baden-Baden, begleitet vom Philharmonischen Orchester der eleganten Kurstadt, glänzte Kirchgässner kürzlich mit ihrer Interpretation von Wolfgang Amadeus Mozarts Königin der Nacht (Die Zauberflöte) und übertraf die schwierigen stimmlichen Anforderungen der Rolle bei weitem.

Laura Kirchgässner hat sich freundlicherweise zu einem Interview mit Mundoclasico.com per E-Mail bereit erklärt. Hier sind ihre exklusiven Aussagen:

Juan Carlos Tellechea: Bitte schildern Sie uns kurz Ihr bisheriges Leben als Student und als Sänger.

Laura Kirchgässner: Herzlichen Dank für die Einladung, sehr gerne. Ich habe an der University of Music Karlsruhe in Deutschland Gesang und Oper studiert.

Nach meinem langjährigen und intensiven Gesangsstudium beginnt nun sozusagen gerade mein Weg als Sängerin - was nicht immer einfach ist, da man als junger Sänger ständiger Bewertung ausgesetzt ist und die Vorstellungen über die richtige Gesangstechnik wie auch die Geschmäcker oft sehr unterschiedlich sind.

Ich war in einem Gastengagement am Landestheater Neustrelitz und habe sehr viele Konzerte gemeinsam mit der Philharmonie Baden-Baden in diesem und im letzten Jahr gesungen. Im Sommer sang ich bei einem wunderschönen Konzert gemeinsam mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg, danach eröffnete sich die Zusammenarbeit mit dem Manager Robert Lombardo in New York City. Ende des Jahres werde ich am Theater in Darmstadt gastieren.

Wer waren Ihre Lehrer und welche Schätze haben sie Ihnen bisher gegeben? (Bitte erzählen Sie uns von ihnen)

Meine erste Lehrerin bis zu meinem Studium war Nina Schromm, sie hat mich wunderbar auf die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule vorbereitet und mich überhaupt zum klassischen Gesang und zur Oper geführt.

Sehr stark geprägt hat mich danach und bis heute Professor Friedemann Röhlig, der mich all die Jahre in meinem Gesangsstudium betreut und stimmtechnisch begleitet hat.

Friedemann Röhlig hat mich gelehrt das Singen aus vielen Blickwinkeln zu betrachten, meinen Instinkten zu vertrauen, meine Komfortzonen zu verlassen und zu experimentieren, um letztlich mein individuelles Instrument, meine Stimme, genau kennenzulernen.

Dazu hat er, als Vertrauensperson meiner Stimme für so viele Jahre, neben meinen Erfolgen auch meine Krisen, Ängste und Bedenken am nächsten miterlebt - es bedeutete für mich als junge Sängerin in manchen Situationen alles, zu spüren, dass jemand an mich glaubt.

Sie wollten schon immer singen, aber wann haben Sie entdeckt, dass Sie es können und die Höhen erreicht, die Sie heute erreicht haben?

Das Schöne ist, glaube ich, dass man sich als kleines Mädchen keine Gedanken darüber macht, ob man es kann oder nicht. Singen war ein Weg für mich in große Freude auszubrechen und ab und an meiner Schüchternheit zu entfliehen. Dass ich gut singen kann, wurde mir dann nach und nach durch Rückmeldungen gespiegelt. Erst später im Unterricht mit meinen Gesangslehrern wurde ich an das tatsächlich hohe Stimmfach herangeführt und habe genauer wahrgenommen, wohin meine Natur geht, als hoher Koloratursopran singe ich heute Repertoire im sehr hohen Stimmregister. Dazu wurde ich sehr früh inspiriert von Stimmen und Vorbildern wie beispielsweise Erna Sack und Lucia Popp.

Doch möchte ich mich, wenn ich gerade so zurück denke, immer wieder daran erinnern, wie es als Kind so war: wenn man sich keine Gedanken macht, ob man es kann oder nicht oder ob man gefällt oder nicht.

Mit welchen Werken (und Rollen) sind Sie bisher konfrontiert worden und in welchem Repertoire fühlen Sie sich am wohlsten?

Im Gesangsstudium habe ich Rollen wie die Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte oder die Blonde aus der Entführung aus dem Serail studiert und gesungen, beispielsweise auch Operettenpartien wie die Adele aus Strauss’ Fledermaus oder modernere Oper wie die Flora in Brittens Turn of the Screw.

Debütiert habe ich den Quecksilber in Humperdincks Dornröschen und werde in diesem Jahr als Giannetta in L’elisir d’Amore gastieren.

Welche anderen Repertoires würden Sie in Zukunft gerne erkunden?

Ich bin generell sehr offen für zukünftige Rollen und neues Repertoire. Natürlich muss ich mein Repertoire entsprechend meines Stimmfachs wählen und spreche auch immer mit meinen stimmlichen Vertrauenspersonen bevor ich ein Angebot annehme - allerdings wäre es für mich wunderbar zukünftig Partien wie die Königin der Nacht, Olympia oder Zerbinetta zu debütieren und Rollen meines Stimmfachs auf verschiedenen Bühnen zu erkunden.

Sie sagen immer, dass Sie so singen, wie Sie selbst sind. Ich möchte Sie nun bitten, Ihr Herz wieder zu öffnen und unseren Lesern zu sagen, welche Gefühle Sie mit Ihrem Gesang ausdrücken wollen. Wie sind Sie so?

Ich bin eine junge Sängerin, doch an erster Stelle bin ich Mensch. Es ist mein Anspruch als Sängerin ehrlich zu meinem Publikum zu singen. Natürlich sind wir Sänger in jeder Rolle auch Schauspieler, das bedeutet dass wir in diesem Moment ein Gefühl gut vorbereitet „spielen“, dieses Gefühl möchte ich so ehrlich „spielen“ wie nur möglich und dabei in diesem Moment die bestimmte Energie in mir finden, die ich als Mensch in bestimmten Lebenssituationen schon erlebt habe - wie wir alle. Diese Energie hat dann meiner Meinung nach auch hörbaren Einfluss auf meine Stimme.

Wann fühlen Sie sich am freiesten?

Am freiesten fühle ich mich, wenn ich mich wohl fühle. Ich denke als Sängerin kann es für mich sehr hilfreich sein, mich an diese Frage immer wieder zu erinnern. Dann kann ich beobachten welche Einflüsse mich vor und während einer Performance wohl fühlen lassen und diese gezielt in meinen Tagesablauf einbauen. Beispielsweise gute Pasta, Tee oder der Kontakt zu meiner Familie.

Bitte erzählen Sie uns eine amüsante Anekdote über etwas, das Ihnen in Ihrem Leben im Zusammenhang mit dem Singen (oder nicht) passiert ist.

In fast jeder Premiere der Hochschulproduktionen an der University of Music Karlsruhe bei der ich mitgewirkt habe und meine ersten Bühnenerfahrungen gesammelt habe, bin ich auf der Bühne ausgerutscht und auf die Nase gefallen. Vielleicht sollte ich dabei lernen: es ist nicht wichtig niemals zu fallen, sondern, jedes Mal wieder aufzustehen.

 Vielen Dank für Ihre interessanten Antworten
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